Alexandertechnik

Mein Weg zur Alexandertechnik

 

Meinen ersten Alexandertechnikkurs besuchte ich im Jahr 2008, doch so richtig fasziniert wurde ich 2011 an einem Kurs bei Susan Frehner, da hatte ich irgendwie schlecht geschlafen und mein ganzer Rücken  war blockiert, zusammengezogen und schmerzhaft. Susan hat ein paar Minuten mit mir gearbeitet und danach fühlte ich mich wie ausgewechselt. Meine Rückenschmerzen waren weg, mein Rücken fühlte sich frei an. Das hat mich so beeindruckt und mich ein Potential erkennen lassen, das ich nicht für möglich gehalten habe. Da wusste ich, ich muss mehr darüber wissen!

 

Das zweite mal als mich Susan tief beeindruckt hat, war 2012, als sie mit meinem Pferd Kalif arbeitete. Die Herausforderung mit Kalif war für mich, dass er sehr flexibel ist, er kann sich auf alle Seiten verbiegen und verdrehen und ihn stabil zu halten war für mich sehr schwierig. Als Susan mit ihm gearbeitet hat, war das kein Thema. Durch die Art wie sie mit ihm gearbeitet hat, hatte er gar keinen Anreiz sich zu verbiegen. Die Art wie sie mit ihm arbeitete funktionierte für ihn. Es hat ihm gefallen und er konnte sich sofort darauf einlassen. 

 

Das war der Punkt an dem ich mich voll für diesen Weg entschieden habe. Was genau macht Susan, dass es funktioniert? Das wollte ich herausfinden! Manchmal ist der Weg ganz schön hart, und ich habe nur noch einen Berg von Arbeit vor mir gesehen, nichts hat mehr funktioniert,  immer wieder wurde ich auf mich zurückgeworfen, an was ich zu arbeiten habe, ich fühlte wie ich meine Pferde beeinflusse in eine Richtung die ich gar nicht will. Auch meine eigene Entwicklung ging nicht so einfach vor sich. Die Verspannungen in meinem Körper gingen nicht einfach so weg, oftmals war der Weg von Schmerzen geplagt, die alten Verspannungen zeigten sich auf schmerzhafte Weise. Doch es gab auch die andere Seite, wenn sich mein Körper plötzlich frei und beweglich anfühlt, wenn ich bei mir bin, wenn ich diese Freiheit spüren kann, diese Offenheit, dann bekomme ich eine Ahnung davon wie schön es sich anfühlt sich in einem Körper zu befinden, der seine natürliche Ausrichtung hat und die darin enthaltene Freiheit leben kann. Das geht über den Körper hinaus, auch emotional ist durch diesen Prozess viel passiert.

 

Es ist auch wunderschön, wenn sich die Beziehung mit dem Pferd verändert, die Kommunikation erreicht eine Ebene von der ich früher nur geträumt habe oder nicht mal geträumt habe? Sie wird immer feiner, unsichtbarer und kommt mit immer weniger aus.  Das gegenseitige Vertrauen wird grösser, die Beziehung tiefer.

 

Ich durfte sehr viel lernen über den Bewegungsablauf, den Körper, die Seele, die Emotionen. Meine Wahrnehmung hat sich verfeinert und differenziert. Und es geht immer tiefer und tiefer. Ich staune immer wieder darüber was sich mir eröffnet. Und immer wieder stelle ich fest, alles was nicht funktioniert hat, liegt an mir. Begreife ich etwas, können die Pferde ganz plötzlich Dinge die vorher nie so recht geklappt haben. Und doch gehen auch die Pferde durch den gleichen Prozess. Das lässt mich dem Pferd gegenüber immer demütiger und achtungsvoller werden. Und die Pferde werden immer schöner, freier, anmutiger, feiner, glücklicher, zufriedener, dankbarer. 

 

Mein Weg hat damals damit begonnen, dass ich realisiert habe, dass die Art wie man Pferde reitet einen wahnsinnigen Einfluss darauf hat wie gesund die Pferde alt werden können. Heutzutage werde so viele Pferde schon in jungen Jahren kaputt geritten, doch das könnte vermieden werden. Über die Pferde habe ich begonnen an mir zu arbeiten, ursprünglich weil ich keinen negativen Einfluss auf die Pferde haben wollte, später habe ich es auch einfach nur für mich getan.

 

Als ich mit der Ausbildung zur Hufpflegerin begonnen hatte, wusste ich nicht ob ich jemals fähig sein werde, die Hufpflege beruflich auszuüben. Ich hatte einen ziemlich schwachen Rücken und wenn ich meine eigenen Pferde bearbeitet hatte, war ich nach zwei Hufen schon müde und hatte oftmals Rückenschmerzen. Trotzdem wollte ich die Ausbildung machen, weil ich das Thema besser verstehen wollte. Während meiner Ausbildung habe ich mich immer wieder an das erinnert was ich durch die Alexandertechnik gelernt habe. Mein Körper gab mir immer sehr klare Rückmeldung darüber ob das jetzt ein gesundes Bewegungsmuster war oder nicht. Einige Male hat mein Rücken geschmerzt, doch das passierte immer nur dann wenn ich in eine schlechte Haltung gekommen bin. Inzwischen ist mein Rücken so stark geworden, dass ich ganz viele Pferde ohne Probleme bearbeiten kann und ich bin mir sicher, ohne das Wissen der Alexandertechnik und darüber was gesunde Bewegungsabläufe sind, wäre ich wohl nicht fähig so viele Pferde zu bearbeiten.

 

Die Art wie wir unseren Körper gebrauchen, die Bewegungsmuster die wir uns angewöhnt haben machen so viel aus! Wir können uns Bewegungsmuster angewöhnen die unseren Körper leistungsfähig und stark machen, oder solche die den Körper auf Dauer schädigen und zu immer weiteren Problemen führen. Es ist unsere Entscheidung welchen Weg wir gehen.

 

 

 

 

Kalif und Susan