Mein Kern als Pferdetherapeutin liegt in der Alexandertechnik. Die Ausbildung zur Alexandertechnik-Lehrerin/Therapeutin ist eine sehr praktische Ausbildung und vieles wird über die Hände gelehrt und weitergegeben und über die eigene Erfahrung und den eigenen Prozess den man durchmacht während der Ausbildung erfahren. Das hat mir geholfen, die Prozesse die auch im Pferd stattfinden wirklich zu verstehen und nachfühlen zu können.
Heute weiss ich, die Dinge sind nicht so schwarz und weiss ich wie ich das mal dachte. Die Idee „jetzt sind alle Blockaden gelöst“ ist relativ unrealistisch. Viele Pferde bringen schon eine ganze Reihe an Problemen mit. Viele Pferde sind schlecht bemuskelt und die Oberlinie ist sehr häufig unterentwickelt, ganz viele Pferde sind trageschwach. So vieles spielt eine Rolle, das Reiten, die Haltung, die Fütterung, die Ausrüstung und die Hufbearbeitung. Modern gezüchtete Pferde haben oftmals ein sehr weiches Bindegewebe und bringen schon von da her weniger Stabilität mit.
Trageschwache Pferde haben immer eine erhöhte Belastung für Muskeln, Sehnen und Gelenke und sind auch sehr anfällig für Blockaden, da sie die Trageschwäche mit Verspannung kompensieren müssen.
Trageschwäche in unterschiedlichem Ausmass ist extremst verbreitet und solche Pferde haben oftmals viele Schichten an Kompensationen, welche sich mit Verspannungen und Blockaden einhergehen. Eine Trageschwäche oder eine Trageerschöpfung ist nicht passiv und hat auch überhaupt nichts damit zu tun, dass das Pferd kein Schlüsselbein hat (auch Menschen sind sehr oft Trageerschöpft). Trageschwäche geht häufig einher mit Muskeln die festhalten und versuchen den Körper zu stabilisieren.
Trageschwäche steht im Gegensatz zur Tensegrität und damit zur Tragfähigkeit. Bei der Tragfähigkeit geht es erst in zweiter Linie um die Fähigkeit einen Reiter zu tragen, in erster Linie geht es darum, dass sich das Pferd selbst tragen kann.
Bedeutung Tensegrität (Tensegrity: Tension & Integrity): Dieser Begriff kommt ursprünglich aus der Architektur, es wird ein System beschrieben das durch ein perfekt ausbalanciertes Zusammenspiel von Zugspannung und Druckspannung, seine Form und Stabilität erhält. Dieses System beschreibt auch gut das Zusammenspiel zwischen Knochen (Druckelement), Sehnen und Muskeln (Zugelemente) im Körper.
Tensegrität bedeut, dass der Körper seine innere Aufgespanntheit hat, diese Aufspannung führt zu Beweglichkeit und Geschmeidigkeit in Balance, Ausrichtung und Aufrichtung. Die Muskulatur des Körpers arbeitet zusammen in Harmonie. Keiner macht zu viel oder zu wenig.
Hypermobilität führt zu teilweiser Überbeweglichkeit (z.B. massive Gangveranlagung) und teilweiser Festigkeit mit Instabilität. Diese Instabiltität führt oftmals zu Kompensationen die zu einer Trageschwäche führen können.
Trageschwäche führt zu eingeschränkter Beweglichkeit, Steifheit, Überlastung, eingeschränkter Leistung, Verspannung und Blockaden, manchmal mit lokaler Überbeweglichkeit (z.B. Pferd geht über die Schulter)
Vereinfacht kann man sagen, dass Probleme da entstehen wo entweder zu viel oder zu wenig Bewegung ist. Der Begriff Trageerschöpfung oder Trageschwäche hat sich in der Pferdewelt etabliert und beschreibt eigentlich eine Einschränkung der Tensegrität dar, welche der natürliche, gesunde Zustand wäre.
Hinweise für eine Trageerschöpfung:
Je stärker ausgeprägt die Trageschwäche ist, desto mehr Probleme wird das Pferd haben und desto schwieriger wird es sein, dass gelöste Blockaden halten. Obwohl eine Trageschwäche ein gewisses Mass an Disfunktion hat, ist es ein Zustand der für das Pferd noch funktioniert. Der Körper versucht immer das Beste aus seiner Situation zu machen.
Dennoch profitieren diese Pferde oftmals von gezielten Behandlungen welche ihnen helfen die Tensegrität wieder zu verbessern. Das ist nicht nur aus Sicht der Leistung sinnvoll, oftmals geht Trageschwäche einher mit chronischen Schmerzen und Überlastung gewisser Strukturen und damit früherem Verschleiss.
Es geht niemals nur um die Blockade an einer Stelle, es geht viel mehr um das gesamte Zusammenspiel im Körper. Darum die Tensegrität und damit die Tragfähigkeit zu verbessern. Es ist ein Abbau von Fehlspannung und eine Reduktion von Schiefe und die Aktivierung von Muskeln und Verbindungen die nicht mehr arbeiten konnten, die das Pferd wieder Tragfähiger macht. Das lösen von Blockaden und Verspannungen ist ein wichtiger Teil davon, kann aber nie isoliert angesehen werden. Auch die anderen Faktoren wie Ernährung und Stoffwechsel, Reitweise und Ausrüstung, Haltung, Stressfaktoren, Trauma, gesundheitliche Probleme/Einschränkungen und Hufbearbeitung haben einen massiven Einfluss.
Für Pferde wende ich diverse verschiedene Techniken an, aber alle mit dem Hintergrund dem Pferd zu helfen, seine Tensegrität und Tragfähigkeit zu verbessern und sich wohler in seinem Körper zu fühlen.
In der Pferdetherapie arbeite ich mit:
Bei Notfällen bitte immer zuerst den Tierarzt rufen, eine Therapie kann keinen Tierarzt ersetzen.
Ich stelle keine tierärztlichen Diagnosen.