2020 erfüllte ich mir den Traum von einem jungen Pferd das ich selber ausbilden kann. Da war Ljana 2 und blieb noch bis 3 in Irland. Ich habe mich so gefreut als sie endlich hier ankam und mich schon gewundert welches Thema durch sie in den Vordergrund treten würde und was ich dabei lernen werde.
Ljana ist ein Vollblut-Connemara Mix und von ihrem Wesen schlägt manchmal das Vollblut durch und manchmal das Connemara. In vielen Dingen ist sie total unerschrocken, cool und mutig. Wenn aber etwas für sie keinen Sinn macht, dann wirds schwierig. Sie ist ein Pferd das sehr gerne sozialisiert, sie ist Menschen gegenüber super neugierig und interessiert, sie findet es super Dinge zu erforschen, auch Extremtrailhindernisse oder Schrecktrainings sind für sie super spannend, das ist als würde ich sie auf einen Spielplatz lassen. Da ist sie mit Feuer und Flamme voll dabei. Was sie aber überhaupt nicht verstanden hat, war alles was mit Hilfengebung und Rahmengebung zu tun hat. Also eigentlich alles was auf dem Reitplatz stattfindet, ob Kappzaumarbeit oder Handarbeit oder spezifischere Bodenarbeit. Sie war da auch so extrem sensibel, dass nur schon wenn ich an eine Hilfe gedacht habe, sie sich schon überfordert gefühlt hat, sie hat das als bedrohlich empfunden. Fürs Training benötigen wir einen grünen Bereich oder vielleicht darf er auch etwas gelb sein, doch dieser Bereich war schwer zu finden. Sie reagierte mit Klemmigkeit, wollte gar nicht teilnehmen oder dann war sie explosiv und reaktiv. Obwohl ich die Schritte wirklich sehr klein gemacht habe, war es doch zu schwierig. Einen Bereich zu finden in dem sie sich so wohl fühlt, dass sie lernen kann, war unglaublich schwierig. Und obwohl sie dann gewisse Dinge verstanden und richtig gemacht hat, hat sie sich dabei immer noch nicht wohl gefühlt und es dadurch auch nicht gerne gemacht.
Was sie aber gern gemacht hat, ist spazieren gehen mit Maika. Maika hat ihr Sicherheit gegeben. Oftmals hatte ich dass Gefühl als wäre ein Teil von ihr einfach noch wild geblieben. Wir haben viele viele Spaziergänge gemacht, sie hat die Welt kennengelernt, sich an all die alltäglichen Dinge gewöhnt. Ich habe begonnen Elemente der Bodenarbeit in die Spaziergänge einzubinden. Wir haben viele, viele Spaziergänge gemacht, sie hat so die Welt kennengelernt und sich einfach mehr an die menschlichen Ideen gewöhnt, ohne sich überfordert zu fühlen. Für mich hat es sich so angefühlt, als wäre ein Teil von ihr immer noch wild gewesen. Auch hat sie gerne auswendig gelernt und Dinge abgespult, diese dann aber viel zu schnell ausgeführt ohne wirklich hinzuhören und sich so auch selber überfordert. Es ging nicht nur darum, dass sie die Lektionen versteht und diese dann eigenständig irgendwie ausführt, sondern, dass sie tatsächlich Schritt für Schritt zuhört und fühlt was ihr Körper macht und auch die Fähigkeit entwickelte Bewegungen bewusst und wohlüberlegt auszuführen. Oft war es entweder Zuviel oder Zuwenig und immer etwas überschiessend oder dann wieder die Klemmigkeit. Sie benötigt sehr, sehr viel Feinfühligkeit und auch sehr viel Zeit zum nachdenken.
Was ich erkannt habe, bei ihr ist Entspannung der Schlüssel zum Erfolg. Egal ob sie klemmig oder reaktiv war, wenn ich Entspannung gefunden habe, dann kam die Seite von ihr an den Vordergrund die sensibel aber trotzdem geerdet ist, die vorwärts geht und ausbalanciert ist. Es gab immer wieder Momente wo sie sich fantastisch angefühlt hat. Sie ist sehr sensibel und feinfühlig und kann auf die feinsten Hilfen reagieren, sie kann super leicht und wendig sein. Es gibt die Momente wo sich die Sensibilität und die Leichtigkeit vom Vollblut vereinen mit den guten Nerven und der Bodenständigkeit des Connemara und das ist dann einfach nur ein fantastisches Gefühl und einfach Traumhaft!
Vieles hat sehr viel länger gedauert, als ich mir das vorgestellt habe, und ich habe auch immer mal wieder gezweifelt ob wir so wirklich zum Ziel kommen. Mein Gefühl hat gesagt, ja es kommt, doch es waren wirklich sehr sehr viele Schritte die es gebraucht hat, bis die Basis da war. Weil die ganze Bodenarbeit so schwierig war, wurde sie auch erst sehr spät eingeritten. Aber es wäre für uns wohl viel zu schwierig gewesen, das was wir am Boden ausarbeiten mussten, im Sattel zu machen und somit war das ein guter Weg für uns. Inzwischen haben wir uns die Basis erarbeitet in der Kappzaumarbeit an der Longe, in der Bodenarbeitsposition und in der Handarbeitsposition. Und auch als Reitpferd fühlt sie sich immer besser an!